Über das filmforum

Marlene schaut...

auf das wartende Kinopublikum - kunst- und huldvoll. Ihre Bilder aus der Filmgeschichte geben der Fassade des ältesten Kommunalen Kinos Deutschlands programmatischen Charakter. Denn Kino kann mehr sein als Ablenkung vom Alltag, kann die Wirklichkeit neu und anders sehen, kann hinter einen vermeintlich schönen Schein schauen.
 Die Sichtweise weckt Interesse. Kinofreunde aus der ganzen Region suchen und finden ein anspruchsvolles Filmprogramm am Duisburger Dellplatz. Die Schauspielerin Christine Sohn nennt es schlicht „Mein Lieblingskino“. Dabei gehören viele Prominente zu den bekennenden filmforum-Besuchern.

Kinogast Helge Schneider

Rückblende

1959 firmierte die Volkshochschule Duisburg noch unter dem Namen "forum". So lag es nahe, Veranstaltungen zu filmkulturellen Themen unter dem Titel „filmforum“ anzubieten. Die Initialzündung dazu waren die neuen Werke von Ingmar Bergman, die man sich nicht nur anschauen, sondern auch diskutieren wollte. Elf Jahre später, 1970, wählte der SPD-Politiker und spätere Oberbürgermeister Josef Krings eine ungewöhnliche Methode, seine Ratskollegen von der Notwendigkeit institutioneller Filmarbeit zu überzeugen. Krings griff während einer Kulturausschusssitzung zu einer Tageszeitung und las laut vor, was an diesem Tag in Duisburgs Kinos geboten werden sollte. Große Kunst kann es nicht gewesen sein. Denn am Ende des Vortrags stimmten die Ratsmitglieder der Gründung eines Kommunalen Kinos unter dem Dach der Volkshochschule zu. Zum Start am 27. September 1970 brachte „Wenn die Kraniche ziehen“ von Michael Kalatosow zum ersten Mal Licht in die dunkle Duisburger Kinolandschaft. Die Premiere feierte man noch im großen Saal der VHS, bevor man in das „Studio M“ der damaligen Mercatorhalle zog. 1980 fand man dann ein eigenes Heim am Dellplatz. In dem nach dem Krieg wieder aufgebauten Haus mit langer kultureller Geschichte befand sich seit den späten 1940er Jahren ein Kino. Das filmforum richtete sich dort ein, verwöhnte seine Gäste mit dem gemütlichen historischen Ambiente und forderte es mit Filmreihen, Vorträgen und zahlreichen Diskussionen dazu heraus, das Kino als Kunst zu entdecken.

Perlen im Schatzkistchen

Eine Sammlungs-Perle: Prestwich-Filmkamera aus dem Jahr 1898
Eine Perle der Sammlung: Prestwich-
Filmkamera aus dem Jahr 1898

Das filmforum wurde bald mehr als eine reine Abspielstätte. Im Laufe der Jahrzehnte trug es eine Sammlung von alten Kinoschätzen zusammen. Heute gibt es zu knapp 10.000 Filmtiteln zigtausende z.T. historische Plakate, Fotos oder Programmhefte. Neben Filmliteratur und alten Projektionsgeräten birgt die Schatztruhe des filmforum-Archivs echte Perlen der Filmkunst: eine Filmrolle mit dem ersten Hund als Kinohelden konnte man ausfindig machen und den Klassiker „Gerettet von Rover“ aus dem Jahr 1905 archivieren. Gut gekühlt lagern in den Regalen des Kommunalen Kinos neben Kopien von David W. Griffith Monumental-Epos „Birth of a Nation“ sehr seltene Streifen mit den Musiken des großen Komponisten Dmitri Schostakowitsch. Und selbst bewegte Bilder aus dem Geburtsjahr des Films 1895 fehlen nicht. Meilensteine der Kinogeschichte verwahrt das filmforum genauso sorgsam wie die filmischen Dokumente zur Stadthistorie - neuerdings digital auf Festplatten und immer noch klassisch schonend im Klimarchiv, das das Zelluloid vor dem Verfall bewahren soll.

Kinohits made in Duisburg

Stadthistorie auf der Leinwand entwickelte sich in den 1980er Jahren zum Kassenschlager. Der bislang in den Archivregalen schlummernde Schatz mit vielen Filmen zur Geschichte Duisburgs verdiente mehr Öffentlichkeit. Das Kommunale Kino begann so Programme für die eigene Leinwand zu produzieren. Kai Gottlob setzte sie als „Duisburg – 1914/45“ und „Duisburg – 1945/66“ um. Was kaum jemand weiß, die beiden stadthistorischen Skizzen und die später folgende DVD, kommentiert von Winfried Scharlau und Manfred Krug, gehören zu den meist gesehenen Filmen in Duisburg überhaupt.

Duisburgs bekanntesten Filmfestspielen bieten die Dellplatzkinos eine perfekte Basis: Die Duisburger Filmwoche, das wichtigste Festival für den deutschsprachigen Dokumentarfilm, besitzt international ein hohes Renommee. Festivalleiter Werner Ruzicka ist begeistert von den technischen wie räumlichen Möglichkeiten, die das filmforum der Filmwoche bietet.

Sommerkino in umwerfender Kulisse

Open-Air-Kino im Landschaftspark

Ein Filmfest ganz anderer Art ist das „Stadtwerke-Sommerkino“, das jährlich über 40.000 Besucher zu filmischer Sommerfrische vor dem Hochofen im Landschaftspark-Nord lockt. Den Zuschauer erwartet eine unwiderstehliche Mischung aus aktuellen Hits, Klassikern und Kultfilmen und wenn mit Ende jeder Kinovorstellung die Illumination des weltbekannten Licht-Magiers Jonathan Park die nächtliche Kulisse des Hüttenwerks in ein bizarres Farbenmeer taucht, ist die Grenze zur Magie nicht mehr weit. Das filmforum in Veranstalter-Gemeinschaft mit dem Landschaftspark Duisburg-Nord hat das Freiluft-Vergnügen zu einem Blockbuster gemacht.

Lubitsch und die Detektive

Andere Filme – anders zeigen: Was dies bedeutet, mögen vielleicht einige Beispiele deutlich machen. Nach langwierigen Recherchen spürte das filmforum die verloren geglaubte Filmmusik zu dem Ernst Lubitsch-Klassiker „Madame Dubarry“ in New York auf. Im Theater der Stadt Duisburg kam das Meisterwerk zur Aufführung. Das filmforum plant und organisiert zu allen großen Kulturfestivals der Stadt Film- und Medienprogramme. Ein Schwerpunkt der Arbeit des kommunalen Kinos liegt auf der Vermittlung.

Tagsüber besuchen Schulklassen das kommunale Kino. Aber dessen Angebote richten sich nicht nur an Schüler, in gesonderten Seminaren werden Pädagogen im Umgang mit bewegten Bildern von Filmwissenschaftlern qualifiziert.

Ein fester Programmbestandteil widmet sich mit einem Zyklus von über 100 Filmen immer wieder den wichtigsten Stationen der bedeutendsten Kunstform des 20. Jahrhunderts. So wird nicht nur Filmgeschichte sichtbar, so erschließt sich auch die "Magie" des heute bedeutendsten Kommunikationsmediums.

Eine richtige Fangemeinde haben die regelmäßigen Filmanalysen des Mannheimer Experten Dr. Peter Bär. Mit sicheren Schnitten seziert der Fachmann große Kinohits und zeigt den Cineasten, was der gemeine Zuschauer auf den ersten Blick nicht zu sehen vermag. So gelingt der Blick über die Schulter eines Regisseurs. Die Krimiautorin Silvia Kaffke beschreibt das Phänomen filmforum so: „Hier habe ich gelernt, Filme zu sehen" und wie heißt es in einem Film mit Jack Nicholson: "Besser geht's nicht!"